Der Kieler Südfriedhof

Walter Arnold / Bettina Fischer

Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte


  • der älteste, bestehende Friedhof in Kiel
  • 1869 eingeweiht als „Neuer Kirchhof“
  • erster Parkfriedhof in Deutschland – Vorläufer und Vorbild
  • Entwurf: Wilhelm Benque
  • Bestattungskultur der 2. Hälfte des 19. Jh. – Gartenkunst der Aufklärung und Wandel der Einstellung zum Tod
  • Repräsentationsbedürfnis des Kieler Bürgertums
  • Ruhestätten Kieler Persönlichkeiten
  • seit 1995 unter Denkmalschutz

Die Idee des Parkfriedhofs

  • Gartenrevolution: weg vom Barockgarten (Französischer Garten) zum Englischen Landschaftspark als ‚Ideallandschaft‘
  • Natur als sinnlich-sittliche Macht und Spiegelung des Göttlichen
  • dreidimensionales Gemälde
  • Rhythmisierung, Kontrastierung, Harmonisierung, Anschein von Wildnis
  • Jean-Jacques Rousseau
  • Gärten werden für das Volk geöffnet > Stadtparks
  • Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742-92), Kieler Philosoph:
    Theorie der Gartenkunst
  • Karl Gottlob Schelle: Die Spaziergänge oder die Kunst spazieren zu gehen > Spazierengehen ist ein Akt der Freiheit

Gestaltung

  • Entwicklung vom furchteinflößenden Sensenmann zu Schlafes Bruder bzw. Engel des Todes
  • erster Parkfriedhof der Welt wird 1804 angelegt: Cimetière du Père Lachaise – ein Holzmodell davon ist auf Tour
  • 1831 – rural cemeteries – Mount Auburn Cemetery bei Boston als erster in den USA – Gestalter: Henry A.S. Dearborn
  • 8 Jahre nach Kiel wird der Parkfriedhof Ohlsdorf in HH eröffnet, der größte Parkfriedhof der Welt
  • steigender Platzbedarf führt zur Anlage von ‚Reformgärten‘

Kieler Friedhöfe

  • 13. Jh. Nikolaikirchhof an der Nikolaikirche bis 1793, eingeebnet 1878
  • Mönchsfriedhof beim Franziskanerkloster
  • 14. Jh. bei der Heiligengeistkirche (Holstenstraße / Ecke Holstenbrücke) – Reste 1929 gefunden
  • 1350 Getrudenfriedhof (Nordseite Schloss) diente als Pestfriedhof – gefunden 1961
  • Friedhof am St.-Jürgen-Kloster (Nähe Bahnhof) bis 1909, wurde im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört und 1954 eingeebnet
  • 1852 Jüdischer Friedhof in der Michelsenstraße
  • 1869 Südfriedhof – bereits nach 30 voll belegt
  • 1878 Nordfriedhof
  • 1900 Eichhof

Friedhofsreform

  • Reihengräber und Erbbegräbnisse
  • Friedhofsordnung
  • seit 1920er keine weiteren Mausoleen
  • Reformgrab
  • Zweitverwendung von Familiengräbern

Kapellenberg

  • Historismus
  • Erbbegräbnisse für 99 Jahre, heute in Zweitverwendung (meist kostenlos, da die Renovierung/Erhaltung kostspielig ist)
  • von 11 Kapellen stehen noch 8 – von 28 Grüften sind 3 zugeschüttet

Vorstellung einzelner Grabstätten und ihrer ‚Eigentümer‘ mit vielen Fotos und Anekdoten


Galvanoplastiken

Auf ein Gipsmodell wird durch Galvanisierung eine Kupferschicht aufgetragen. Günstiger als Vollplastik, massenhaft verfügbar. Die Plastiken sind haltbar und wurden wegen ihres geringen Metallanteils nicht im Krieg eingeschmolzen.
Hersteller z. B. WMF führte Listen, damit nicht mehrere auf einen Friedhof kamen.


Terrakottafiguren von Villeroy & Boch