Eines Morgens riechst du den Herbst.
Es ist noch nicht kalt;
es ist nicht windig:
es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles.
Kurt Tucholsky

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit.
Septembertag
Christian Morgenstern

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rilke

Schon mischt sich Rot… in der Blätter Grün.
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
der Herbst ist da – das Jahr wird spät.
Und doch die Sonne glüht…
weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt…
eh‘ Stille, Schnee und Winter kommt .
Theodor Fontane

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
Hermann Hesse

