Wikinger Dämmerung

Zeitenwende im Norden

Im Jahre 1066 zerstört ein feindliches Heer den wichtigsten Handelsplatz im gesamten Ostseegebiet, Haithabu/Schleswig. Seit seiner Gründung um 800 ist der Ort jahrhundertelang die zentrale Drehscheibe für den Austausch von Waren aller Art.
Der dänische König Sven Estridsen beschließt einen Wiederaufbau der Stadt am Nordufer der Schlei. Diese Verlagerung ist nicht nur der Zerstörung geschuldet. Die politischen, wirtschaftlichen und religiösen Rahmenbedingungen haben sich innerhalb einiger Jahrzehnte grundlegend verändert. Diese neue, moderne Stadt kann den Erfordernissen leichter angepasst werden.
Die Veränderungen, die zur Verlegung der Stadt führen, erfassen ganz Nordeuropa: Die skandinavischen Königreiche werden Teil des christlichen Europas. Im historischen Denken bleibt diese Zeitenwende präsent. Dabei werden die als Wikingerzeit bezeichneten Jahrhunderte immer wieder verklärt.
(Ausstellungstext)

fragmentiertes Schwert aus Fürstengrab 74 der slawischen Burg Starigard (Oldenburg, Ostholstein) • Eisen mit Holzresten • 10.Jh.
Heiligenfibel • vergoldete Bronze mit Emaille-Einlagen • 9. Jh. • Haithabu
Scheibenfibel mit gegossener Münzdarstellung • 16,54 g Gold

Auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein sind im frühen Mittelalter bzw. in der Wikingerzeit vier verschiedene Ethnien ansässig – Friesen, Dänen, Sachsen, Slawen. Das sächsische Gebiet gehört ab 810 zum Fränkischen Reich und nach dessen Teilung 843 zum Ostfränkischen Reich.
(Ausstellungstext)

  • rote Linie = Danewerk
  • Punkte = Burgen

Reitergrab von Lundby

Aufgrund der fortschreitenden Christianisierung sind mit Beigaben ausgestattete Gräber des 11.Jh. sehr selten.

Bildausschnitt Teppich von Baldishol • Darstellung eines Ritters, ca. 1180-90
Bildausschnitt St. Gallen • Darstellung der Reiterei in der Schlacht im ostfränkischen St. Galler Psalter des 10.Jh.

Schleswig – Besiedelung

Im Schleswiger Dom wurde in sekundärer Verwendung ein im Urnesstil verzierter unvollständiger Runenstein gefunden. Er wurde zur Erinnerung an jemanden gesetzt, der in England in „Skia“ bestattet wurde. Dabei könnte es sich um den Ort Shoebury in Essex handeln, an dem noch 1086 dänische Grundbesitzer erwähnt sind.

Schrein aus Walrosselfenbein mit vergoldeter Bronze im Mammen-Stil • 11.Jh.
Foto eines Altar-Vorsatzes (Frontale) aus Quern (Steinbergkirche) aus vergoldeter Bronze
Altar-Vorsatz aus Eichenholz, ursprünglich farbig gefasst, um 1230, St. Laurentius, Aabenraa, DK
Bleitafel aus dem Grab des Bischofs Rudolf von Schleswig

Battle:Reloaded • Margret Eicher • 2022

Medientapisserie, digitale Montage, Jacquard-Gewebe, 120×3000 cm